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ouch. Krefeld Pinguine.

Ouch, das trifft es, heute starte ich meine Kolumne und wie könnte man es besser als mit den Krefeld Pinguinen.

Wer mich kennt der weiß das für mich diese Volkssportart Fußball kein Begriff ist. Ich verstehe einfach nicht warum da Millionen von Euros für irgendwelche rennenden Menschen gezahlt werden, die sich hier und da mal über zu viel Arbeit beschweren und in Hotellobbys Pinkeln, dicke Autos fahren und auch gerne mal, wie im übrigen jeder Mensch, über die Strenge schlagen, allerdings mit dem Unterschied, durch die Öffentlichkeit, auch Vorbild zu sein, vielleicht nicht gewollt, aber leider sind sie es doch. Nun gut, anderes Thema.

Irgendwann hat mich meine Tante, im Jahr 1995 mit zum Eishockey geschleppt, da war ich also fünf Jahre alt, der komische große Nachbarort meines am Niederrhein gelegenen Geburts- und damals Wohnort hat da so eine Profimannschaft, irgendwie erste Liga, tolle Sache. Als kleiner Junge, nicht das ich jetzt deutlich größer wäre, baut man da ja schnell eine Art Verbindung auf, oder sowas. Jetzt nennt sich das also „Fan“ sein.

Fan sein, das ist an sich eine tolle Sache, man brennt für irgendwas, das man irgendwie nicht greifen kann, das irgendwie da ist, aber irgendwie auch nicht, irgendwie mal in extrem guten Zeiten wie 2003 mit der Meisterschaft, aber auch mit den letzten gefühlt 200 Jahren in denen man nur mit dem Kopf schüttelt.

Als kleiner Junge durfte ich die Erfahrung machen mit vielen Profis vom Eis in Kontakt zu kommen, so Leute wie Johnny Walker oder Karel Lang hat man halt auch oft genug nach dem Training mal getroffen, mit diversen Söhnen habe ich in der damaligen Spielstätte fangen gespielt, es gab wohl eine Reihe von Autogrammstunden wo ich bei diversen Spielern, heute wäre es sexuelle Gewalt oder so, auf dem Schoß gesessen habe und mit Keksen gestopft wurde, erzählt man sich, ich kann mich nicht erinnern.

Über Kontakte kam ich dazu für einige Veranstaltungen rund um das Eishockey den DJ zu spielen, da entsteht dann doch noch einmal ein ganz anderes „wir, die Pinguine“ Gefühl. Für manch Fan war oder bin ich sogar Teil des Krefelder Eishockeys, eingeladen auf Weihnachtsfeiern oder Sommerfesten derer Clubs, obwohl ich dort nie großartig teilhaben wollte, zu vielen pflegt man Kontakt, im Stadion wird man erkannt, obwohl ich nie ein Teil dieser Mannschaft war. Eines meiner größten Erlebnisse war die musikalische Untermalung eines Erstliga Spiels gegen Mannheim, direkt an der Bande, mit 6.000 Fans im Stadion, großes Kino, wir sprechen da also von mehr als nur einem Hobby und Fan sein, man steckt da so drin. Übrigens: Wie viele können das vom Profifußball behaupten? Andere Welt.

Worauf will ich hinaus, die letzten Jahre waren sportlich nicht einfach, falsche Trainer, falsche Spieler, Egotrips, weiß der Geier, dafür gibt es viele Gründe, das Geld sitzt bei solch einem Sport, in solch einer Stadt wie Krefeld auch nicht locker, weder bei Sponsoren, noch bei irgendwelchen Investoren, man hat auch keine 1.200.000 Millionen Einwohner die zu den Spielen dengeln… Passiert alles.

Jetzt hat man letztes Jahr das Ding quasi so gut wie komplett gegen die Wand gefahren, sportlich als auch wirtschaftlich, auch wieder der ein oder andere Egotrip diverser Spieler und Gesellschafter, Zusagen über Finanzspritzen die nicht eingehalten worden waren, angeblich Bilanzbetrug, die Überschriften der Presse hier zu zitieren halte ich erstens für unnötig noch seriös und so oder so kann ich jeden Geschäftsmann verstehen der sein Geld nicht in diese GmbH schiebt und somit verbrennt. Die Kompetenz der Mitarbeiter im Hintergrund war eher nicht erschöpft oder nicht vorhanden, ich stecke da nicht so ganz drin, aber man hat auch hier und da als Kunde und Geschäftspartner das ein oder andere, wegen mir auch größere, Problem erkennt und fühlen müssen.

Die große Rettung kam, ein neuer Gesellschafter, scheinbar vermögend, aus der Schweiz, er brachte einen offensichtlichen Kenner des Eishockeys mit und stellte ihn an seine rechte Hand, ein junger Scout der sich um die Konstellation der Mannschaft kümmerte wurde verpflichtet, ein wegen mir „Top“ Trainer aus der amerikanischen Liga geholt, neues Logo, neue Website, neue Mitarbeiter, cooler Kader, das klang erstmal alles gut. So die Kurzfassung, aber es klang „mal wieder“ erstmal alles gut.

Stand heute, nach zwei Wochen „Spielbetrieb auf Probe“, der Geschäftsführer hat gekündigt, dann hat es der Eishockeykenner übernommen, der hat dann irgendwann aufgehört, weil wegen zu viel Arbeit, dann hat es der Scout übernommen, mit irgendwie Mitte 20 und Halbwissen und dann mit irgendwie achtzigtausendsechshundertvierzig Funktionen, dann ist der „Top“ Trainer abgehauen, das macht jetzt gefühlt irgendwer, dann hat man noch irgendwelche Spieler irgendwoher mit irgendwelchen Argumenten irgendwie her geholt, irgendwie, irgendwas dafür bezahlt, während andere Spieler, die irgendwie auch vorher schon da waren, wegen irgendwas was offensichtlich ist (wenig bis keine Einnahmen) zu einem weiteren Gehaltsverzicht versucht zu prügeln – zumindest so liest man in der Presse.

Klar, ich flieg mir coole Spieler als „Leihgabe“ ein und bezahle dafür meine Stammspieler nicht, oder nicht ausreichend. Guter Plan. Findet jeder Arbeitnehmer geil, vor allem Arbeitnehmer deren Zeit im Sport durchaus begrenzt ist und dazu nicht mit Summen wie unsere Fußballer gestopft werden. Infolge dessen gab es zu einem Spieltag einen kleinen „Streik“ der Mannschaft, angeblich als Kollektiventscheidung, scheint aber auch ein bisschen anders zu sein. Naja, wer weiß, ich war nicht dabei. Jetzt sind irgendwie ein „Top“ Trainer weg, vier meiner Meinung nach solide Spieler, praktisch innerhalb von drei Tagen. Doof. Ouch.

Worauf möchte ich hinaus?

Heute findet im Rahmen eines Vorbereitungsturniers ein „Derby“ statt. Krefeld gegen Düsseldorf, brisant, heiß, wild, sexy, aggressiv, einfach Eishockey – normalerweise. Da freut man sich drauf. Eigentlich. Das Gefühl ist aber irgendwie weg. Ein jahrelanger schleichender Prozess, immer wieder große Gefühle, Vorfreude, Bock, Verständnis, leckeres Bier, der Geruch von ranziger Frikadellen und schäbiger Currywurstsoße im Stadion, Kopf schütteln, in der Reihenfolge, schon jahrelang, irgendwann ist da einfach Essig. Apfelessig, mit Bröckchen.

Mich begleitet der Saftladen schon einige Jahre, prägende Jahre meiner Persönlichkeit, Kindheit, Jugend, heranwachsen, scheiße Bauen, Fallen, wieder Aufstehen, alles passiert, aber egal was war, wenn es Zeit für Hockey war, dann war Zeit für Hockey und dann war man mal drei auf vier Stunden seiner Lebenszeit in dem Modus und weg von all dem anderen dieser Welt.

Das war oft schön, richtig und wichtig! Für mich, für viele andere! Mehr als irgendwie nur ein Gefühl.

Was bleibt nach dem ganzen Auf und Ab? Heute habe ich keine Lust mir dieses „Derby“ im Fernsehen an zu sehen, vermutlich diskutieren irgendwelche unpersönlichen Kommentatoren auf persönlicher Ebene über sehr persönliche Dinge die sie vermutlich auch nichts angehen, weder sie noch mich, vermutlich hat da irgendein halbwissender Wirtschaftsheini falsch gedacht oder vielleicht hat doch der ein oder andere Spieler seinen Kopf zu weit durchsetzen wollen, vermutlich ist das alles irgendwie nachvollziehbar, im einzelnen, mag alles sein, jeder muss ja irgendwie Leben, aber man spielt hier im Kollektiv mit einer Identifikation, einem Wirtschaftsunternehmen dem mehrere tausend Kunden ein gewisses Vertrauen schenken, vorstrecken, vor der Saison bis hin zum Ende und oft, egal wie es ausgeht, stehen am Jahresende viele Leute Arm in Arm irgendwo herum und feiern, ihr Leben, ihr Hobby, einzelne Spieler oder doch das ganze Unternehmen, aber das wird verspielt, jetzt gerade, wieder einmal, von Leuten denen vielleicht das Verständnis einer Art „Identifikation“ oder sowas wie Loyalität fehlt, Loyalität zu deren Kunden – wir die Fans.

Im Privatfernsehen läuft heute das Finale von „The Masked Singer“ – ich bin kein Freund der privaten Sender, aber irgendwie, bockt mich das mehr… Ouch!

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